„Gut gemacht!“ in Essen-Nord

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Fotos Agnes Schnieder

23.08.16. Die ehemalige Tiegelschule ist Essens größte Behelfsunterkunft für ca. 200 Geflüchtete, derzeit überwiegend aus Syrien und Afghanistan. Beim dritten von Interkultur Ruhr geförderten Auftritt zur Willkommenskultur empfängt uns Frau Hemeda (EHC) im Hof und erklärt, dass der angrenzende bunte Bauwagen vom ISSAB aufgestellt sei, dem Institut für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung. Somit sei dank der Uni-Nähe hier täglich eine Sozialädagogin für die Kinder da. Wir begrüßen den Einrichtungsleiter Herrn Lekkak und erreichen das „Frauenzimmer“. Eine Besprechung geht gerade zu Ende, uns werden die SozialbetreuerInnen und ISSAB-MitarbeiterInnen vorgestellt. DSC_0576Ob dieser Raum ok sei? – Ja, wunderbar, hinten sind sogar Sofas! Der blaue Stoff wird aufgehängt, Tische gerückt, Stühle gestellt… und Wasser gereicht. Heute ist es mal wieder heiß!

Die Kinder belagern die Tür. Der Raum mit ca. 7 Nähmaschinen, in dem Frauen spezielle Deutsch-Kurse für Gesundheitsthemen bekommen, regelmäßig im Chor singen und einfach „unter sich“ sein können, verwandelt sich schnell in ein schönes kleines Theater!  Die Clownin kann sich in der Kleiderkammer umziehen, schminken und ihren Warm-Up um die beschilderten „Men“+“ Women“- Regale laufen. 

Nachdem die ca. 23 Kinder sich erstaunlich selbständig von alleine sortiert haben (die Kleinen vorne, die Großen hinten), kündigt meine ehrenamtliche Begleiterin Inga die Show an. Aber wo ist Clownin Lotte? Auch hinterm Vorhang ist sie nicht… Also müssen alle laut rufen „1-2-3: LOTTE! – LOTTE! – LOTTE! – LOOTTEEE! – LOTTE!…“ – Die Clownin steht schon längst im Raum, bis die letzten Rufe verhallen und das große Staunen beginnt!

IMG_20160814_143238Handpuppe Hertha als Freundin zu haben, ist ein großes Glück! Als LOTTE stehend wieder einschläft, weil sie von der Anreise soooo müde ist, guckt Hertha erst unsicher zwischen Lotte und Publikum hin und her. Ihr Bein wippt nervös. Dann fällt LOTTE auch noch um. Ohje!  Die Kinder stehen auf, um zu sehen, was passiert: Hertha setzt sich auf LOTTEs Bauch und holt sich die lautstarke Unterstützung der Kinder: „LOTTE! – LOTTE! – LOTTE!“. Die Clownin schreckt DSC_0582hoch und bekommt einen Aufwach-Kuss von Hertha. Lotte folgt der neugierigen Hertha zur winzigen „Gitarre“, ein Lied ertönt, und endlich wird der geheimnisvolle Koffer geöffnet, in dem ein ganzer Zirkus verborgen ist! Die Kinder klatschen eifrig den Takt zur Musik. Eine Nummer jagt die nächste. Große Angst beim Hochseil-Tanz. Lotte gibt auf. Nein, doch nicht, sie bittet um eine LAOLA-Welle als Hilfe. Mit großem Getöse wird die LAOLA schier endlos wiederholt. Ganz egal, dass  Lotte längst DSC_0577oben auf dem „Hoch-Seil“ steht…

Beim Vorbereitungs-Putz zum Mondflug gibt es großes Gekicher und Gegacker:  Lotte allerdings ist empört , wenn ihr Handfeger sie an Fußsohlen, Popo und unter den Armen kitzelt…

Wie immer werden alle Worte eifrig nachgesprochen: Begrüßungsworte, Herthas Lied, Saxophon, Jonglage, Herz, Rakete, Treibstoff, Mond, Stern usw. Zwei kleine Jungen fangen in der 1. Reihe an, sich zu kabbeln. Lotte schlichtet den Streit mit Luftküssen für beide Parteien. Herr Lekkak hat ein Auge auf die Älteren, die hinten tuscheln. So bleiben die kleiner Kinder im DSC_0590Bann der Magie – und nach der Zugabe einfach sitzen. Erst als LOTTE saxophonspielend aus der Tür geht, setzen sie sich in Bewegung…. zur Tür, dort gibt es Luftballons für alle.

„Gut gemacht“, sagen sie, oder kichern mit scheuen Blicken. Lotte führt sie schließlich aus dem hallenden Treppenhaus in den Hof. Ein Ehrenamtlicher übernimmt die großen Seifenblasen. Männer sitzen im Schatten. Während die Kinder sich um die Luftballonpumpe streiten, kommen ein paar junge Mütter näher und lauschen dem Saxophon. Sie strahlen überascht, als die Konfetti-Duschen über ihre Kopf-Bedeckungen rieseln. Für eine ist es das Größte, mit dem DSC_0593Smartphone ein Foto von der Clownin machen zu dürfen, die ihre kleine Aisha auf dem Arm trägt!

Beim Abschied von der Sozialbetreuerin fragt eine meiner Begleiterinnen interessiert nach Möglichkeiten und Terminen, um ehrenamtlich mit einem Deutsch-Kurs für die Erwachsenen zu helfen. Ein bedeutender schöner runder Nachmittag!! Der nächste von Interkultur Ruhr NRW geförderte Auftritt ist in Frintrop – ich werde berichten!

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„Liebe Kristina, wie gut, daß es Dich gibt!!! Du machst die Welt lebens- und liebenswerter. Wie heißt es doch,- auch als Filmtitel: *Angst essen Seele auf*. Materielle Hilfe ist ganz wichtig, aber die Seele muß als erstes gelabt werden. Genau im biblischen Sinne. Viel Kraft für Deine Aufgabe wünscht Dir Karin“   +++ Karin Jessen. Künstlerin.     (Kommentar vom 26.7.zu dem Projekt)

 Danke für die tollen Bild-Eindrücke an Agnes Schnieder! Kinder-Gesichter dürfen wg. Persönlichkeitsrechte nicht abgebildet werden.

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